Wer in Nußdorf am Attersee dem Bachlauf folgt, gelangt irgendwann zum Ledererhaus. Seit Jahrhunderten wird hier Leder hergestellt. Heute führt Gregor Kölblinger die letzte Gerberei der Region und damit ein Handwerk weiter, das rund um den Attersee eine lange Geschichte hat. In siebter Generation steht er in der Werkstatt, in der schon seine Vorfahren mit Wasser, Holz und viel Geduld aus rohen Häuten langlebiges Leder geschaffen haben.
Die Tradition der Gerberei in Nußdorf reicht sogar noch weiter zurück. Hinweise deuten darauf hin, dass an diesem Ort bereits um das Jahr 1200 Leder verarbeitet wurde. Das Recht der Familie, das Wasser des Baches zu nutzen, stammt noch aus der Zeit von Kaiserin Maria Theresia. Früher war der Bach ein zentrales Arbeitsmittel der Gerber. Heute wird das Wasser zwar weiterhin genutzt, jedoch selbstverständlich über moderne Anlagen gereinigt. Gregor Kölblinger hat sein Handwerk von seinem Vater gelernt und zusätzlich an der traditionsreichen Gerberschule in Wien studiert. Dort befindet sich die älteste Gerberausbildung der Welt. Trotz moderner Technik ist die Arbeit bis heute geprägt von Erfahrung, Gefühl für das Material und viel Handarbeit. Jeder Arbeitsschritt entscheidet über die spätere Qualität des Leders.
Das Herzstück der Produktion liegt heute im Reitsport. Rund neunzig Prozent der Arbeit fließen in die Herstellung von hochwertigem Rindsleder für Sattlereien. Daraus entstehen Steigbügelriemen und Riemen für Zaumzeug, die weltweit im Einsatz sind. Die wichtigsten Märkte liegen in Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien.
Gleichzeitig hat die kleine Gerberei eine besondere Nische gefunden. Gregor Kölblinger ist einer der wenigen Handwerker, die noch ganze Rindsfelle gerben können. Immer häufiger bringen Landwirte das Fell ihrer Tiere nach Nußdorf, um es als Erinnerung zu bewahren oder möglichst viel vom Tier zu verwerten. Besonders aufwendig sind Felle mit langen Haaren, etwa vom Schottischen Hochlandrind. Sie müssen sorgfältig gebürstet und von Hand bearbeitet werden.
Für Gregor Kölblinger ist Leder nicht nur ein Material, sondern Teil eines nachhaltigen Kreislaufs. Solange Fleisch gegessen wird, fällt auch Rohhaut an. Durch die Gerberei kann dieses Nebenprodukt sinnvoll genutzt werden. Trotz moderner Verfahren bleibt das Ziel dasselbe wie vor Jahrhunderten. Aus einem natürlichen Rohstoff ein langlebiges, hochwertiges Material zu schaffen.
Die Gerberei in Nußdorf ist heute eine der letzten ihrer Art in Österreich. Gerade deshalb sieht Gregor Kölblinger seine Aufgabe nicht nur im Produzieren, sondern auch im Weitergeben von Wissen. Immer wieder besuchen Schulklassen oder Interessierte die Werkstatt, um einen Einblick in dieses selten gewordene Handwerk zu bekommen. So bleibt eine Tradition lebendig, die am Attersee seit vielen Generationen zum Leben gehört.
Gregor Kölblinger Gerberei GmbH


